BestiariumWiesenflügler

Wiesenflügler

Wiesenflügler

ungewöhnlich
Wiese
Ein rehähnliches Wesen mit hauchzarten Flügeln, die es nur bei voller Geschwindigkeit entfaltet. Es ist leicht zu erschrecken.

Das Wiesenflügler ist einer der zartesten und scheuesten Bewohner der Graslandschaften. Seine flüchtige Erscheinung, ein Hauch von Bewegung und Licht, wird oft fälschlicherweise für eine optische Täuschung gehalten. Aus der Ferne wirkt es wie ein schlankes, rehähnliches Tier, das friedlich zwischen Wildblumen grast. Erst wenn es aufgeschreckt wird oder sich bewegt, offenbart sich sein wahres Wesen.

Das Wiesenflügler besitzt ein Paar hauchzarte, feine und durchscheinende Flügel, die die meiste Zeit seines Lebens ordentlich an seinem Rücken angelegt sind. Man sieht diese Flügel nur selten vollständig, da das Wesen sie nur bei hoher Geschwindigkeit entfaltet. Dann ist der Anblick atemberaubend: Die Flügel fangen das Sonnenlicht ein und streuen es in sanften, prismatischen Lichtblitzen, während es mit unglaublicher Anmut über die offenen Ebenen springt.

Trotz dieser Schönheit ist das Wiesenflügler ein äußerst nervöses Wesen. Es erschrickt bei der geringsten Störung – einem plötzlichen Windstoß, einem ungewohnten Geruch oder der leisesten Bewegung. Ist es einmal aufgeschreckt, flieht es nicht einfach, sondern verschwindet spurlos und legt in wenigen Augenblicken gewaltige Entfernungen zurück, bevor es vollständig am Horizont verschwindet. Diese Scheu macht Begegnungen aus nächster Nähe äußerst selten. Wer versucht, sich einem Wiesenflügler zu direkt zu nähern, wird mit ziemlicher Sicherheit scheitern. Die wenigen erfolgreichen Sichtungen stammen meist von jenen, die still, geduldig und ruhig verharren und das Wesen durch die Landschaft ziehen lassen, als wäre es ein Teil von ihr. Unter Wissenschaftlern gibt es Diskussionen darüber, ob die Flügel neben der Geschwindigkeit noch einen praktischen Zweck erfüllen. Obwohl sie scheinbar nicht zu dauerhaftem Flug fähig sind, erleichtern sie die Bewegungen des Wiesenflügler und ermöglichen es ihm, kurz über unebenes Gelände zu gleiten oder mühelos über hohes Gras und flache Senken zu springen. Einen Wiesenflügler in Bewegung zu beobachten, ist wie ein flüchtiger Blick auf etwas Traumhaftes – wunderschön, zerbrechlich und verschwunden, bevor man es richtig würdigen kann. Es ist kein Wesen, das man jagen oder fangen sollte, sondern eines, das man still beobachten möchte, wenn man das Glück hat, es überhaupt zu sehen.